Schreiben und Malen – auf der Suche nach Ressourcen in Pädagogik und Burnoutprophylaxe
Schreiben und Malen mobilisieren Hirn und Herz, die Denker*in und das Häschen. Es sind zwei analoge Annäherungen an die Entwicklung von Ressourcen in der pädagogischen Arbeit, die aber ebenso in der Selbstfürsorge genutzt werden können. Ressourcenorientiertes Malen lässt Bilder, Formen und Eindrücke entstehen, die wir uns oft nicht hätten träumen lassen. Wenn wir diesen Prozess sprachlich begleiten und in Worte fassen, erarbeiten wir neue Ausdrucksmöglichkeiten und Bedeutungen. Indem wir die Tools zur Selbstfürsorge nutzen, erweitern wir unser kreatives Methodenrepertoire für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.
Burnoutprophylaxe und Stressregulation sind im pädagogischen Alltag wesentliche Voraussetzung, um im stressigen Alltag einen Zugang zu den Ressourcen des Gegenübers zu bekommen. Kreative Aktivitäten bringen uns selbst genauso wie unser Gegenüber wieder zurück in den Ressourcenbereich, verstärken die Konzentration, schaffen ungeahnte neue Räume und ermöglichen ein anderes Weiterarbeiten. Das schont die eigenen Nerven und verändert das Miteinander. Denn pädagogische Arbeit ist ja Beziehungsarbeit, und hier geht es um Beziehungen und deren Neuregulierung: Ich sage einen Satz und du suchst Form und Farbe dafür. Ich antworte auf diesselbe Art, und du sagst mir, was du verstanden hast.
Techniken:
Verschiedene Gestaltungsvorschläge, die aus der Kunsttherapie entlehnt werden, öffnen den Blick für die eigenen Ressourcen: In welchem Verhältnis steht das Eigene und das Fremdbestimmte? Was oder wer trägt zur eigenen Erholung bei? Was führt zu einem guten Übergang zwischen Arbeit und Privatleben, Schule und Freizeit – wo sind die Inseln, die es auszubauen gilt? Die Übungen sind einfach und angeleitet, so, wie auch Ihr sie dann anleiten könnt.
Schreiben ist ein anderer Versuch, die Welt zu fassen, uns einen Überblick zu verschaffen. Es hilft der Konzentration, weil Schreiben übersetzen hilft, was das Gefühl erlebt. Häschen und Denker*in suchen hier einen gemeinsamen Ausdruck. Und die Frage, wie jemand über sich selbst oder eine*n andere*n schreibt, drückt aus, wie er*sie über sich und andere denkt.
Sprache kommt dem Verstand deutlich näher als das Spiel mit Farben und Formen. Wir erproben automatisches Schreiben, Cluster, offene und geschlossene „Gedicht“formen. Es sind bunte Techniken zur Reorientierung und Ressourcensuche, zum Eintauchen in die sinnstiftende Tätigkeit der Suche nach einem Begriff oder die unerwarteten Resultate in gemeinsamen Wortspielen. Wir kombinieren Wörter mit Farbe und finden heraus, welche unterschiedlichen Ebenen wir darin sehen, dadurch aktivieren können. Es geht ums Ausprobieren und Assoziieren, Sich-Überraschen-Lassen. Mehr braucht Ihr nicht.
Es ist ein Seminar, in dem wir spielerisch die Zusammenarbeit zwischen den beiden analogen Techniken erkunden, die doch auf ganz unterschiedliche Weise Häschen und Denker*in abbilden und motivieren oder beruhigen können. Was bewirkt ein offenes Spiel mit Farbkleksen, was passiert, wenn wir uns Wörter zuwerfen? Wie wirkt sich eine strenge Formvorgabe in beiden Medien aus?
Natürlich überlegen wir gemeinsam, wie eine Integration in den pädagogischen Alltag nach all der lockeren und sicher lustigen, manchmal auch nachdenklichen Selbsterfahrung gelingen kann. Dabei behalten wir den Anschluss an das Basiscurriculum im Auge , was für institutsfremde Teilnehmende interessant, aber vielleicht auch irritierend sein kann. Es geht immer auch um die Erläuterung, was Häschen/Denker*in, die Zeitlinie und die Spannungsregulation damit zu tun haben.